Interview zum Ausbau des HPI

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Quelle: HPI/Stefan Berg

Das HPI soll erweitert werden, das ist nichts Neues. Da bisher aber erst wenige Informationen an die Studenten gegangen sind, haben wir ein ausführliches Interview mit Prof. Meinel geführt.

HPImgzn: Wieso soll das HPI eine eigene Fakultät werden? Ist der Status quo nicht ausreichend?

Meinel: Aktuell ist das HPI ein An-Institut. Dabei müssen wir bei der Ausschreibung neuer Professorenstellen jedes Mal auch den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultätsrat der Uni Potsdam einbinden, welcher aber nur monatlich während der Vorlesungszeit tagt. Insofern müssen wir, wenn wir neue Professorenstellen ausschreiben – was ein sehr formalisierter Prozess ist –, in jedem Schritt auch das Okay vom Fakultätsrat bekommen. Ein ähnliches Problem gibt es bei den Studiengängen. Auch hier sind Änderungen ein formaler Prozess, der ebenso durch den Fakultätsrat muss.

Insofern war die Frage, wenn wir uns stark erweitern und auch neue Studiengänge aufsetzen wollen, wie wir das verbessern können. Da wir das Ganze auch sehr zügig erledigen wollen, weil Herr Plattner den Aufwuchs natürlich auch sehen möchte, sind diese Prozeduren als An-Institut einfach zu langsam und zu hinderlich. Es gab dann die Diskussion, ob das HPI den Status einer Privatuniversität anstrebt oder ob nach einer anderen Verbindung mit der Universität Potsdam gesucht wird. Wir haben das mit dem Ministerium und dem Universitätspräsidenten besprochen – es gibt im Brandenburgischen Hochschulgesetz die Möglichkeit, dass auch externe Einrichtungen Fakultätsstatus erreichen können. Es gibt noch keine Vorbilder dafür – das wäre das erste Mal, dass das implementiert wird.

Wir haben dann mit Arbeitsgruppen seit dem Sommer einen neuen Kooperationsvertrag ausgearbeitet und uns mit dem Universitätspräsidenten Prof. Günther verständigt. Dieser Kooperationsvertrag gibt dem HPI den Status einer eigenständigen Fakultät für Digital Engineering. Auch das Brandenburger Bildungsministerium hat mitgearbeitet und unterstützt die Pläne.

Die Uni Potsdam muss sich jetzt mit dem Thema befassen, es wird also dem Senat zur Zustimmung vorgelegt. Die Hoffnung ist, dass das im Laufe dieses Jahres noch entschieden wird, sodass sich die Stiftungsgremien mit der Frage befassen und der Universitätspräsident und ich diesen Vertrag Anfang des neuen Jahres unterschreiben können. Anschließend können wir dann die ganzen Voraussetzungen schaffen, die nötig sind, damit das HPI ab dem Sommersemester als Fakultät starten kann.

HPImgzn: Was sind das für Voraussetzungen?

Meinel: Wir müssen einen Fakultätsrat bilden. Die Zusammensetzung – also Professoren, Studentenvertreter, wissenschaftliche Mitarbeiter sowie Mitarbeiter der Verwaltung – setzt die Grundordnung der UP fest. Es sind außerdem eine Reihe von Kommissionen notwendig, zum Beispiel Promotionskommission und Studienausschuss. Es muss dann ein Dekan gewählt werden. Wie genau die Gremien aussehen müssen arbeiten wir gerade aus, sodass wir direkt am 1. April mit der Arbeit als Fakultät starten können. Das Ganze steht unter einem deutlichen Zeitdruck, weil wir so schnell wie möglich die Ausschreibungen der neuen Professuren unters Volk bringen wollen, um neue Lehrstühle zu bekommen.

Es gibt für den Aufbau aber auch Randbedingungen. Wenn wir neue Professoren ins HPI berufen, müssen die und ihre Arbeitsgruppen natürlich irgendwo untergebracht werden. Im Moment sind alle Räumlichkeiten ausgebucht, sodass es an manchen Stellen so richtig knirscht. Die Planungen für ein neues Gebäude, welches auf dem Campus 2 gebaut werden soll, sind in vollem Gange. Aktuell werden Erschließungsarbeiten erledigt und wir hoffen, dass im Frühjahr 2018 dieses neue Gebäude bezogen werden kann. (Anmerkung der Redaktion: Zu Redaktionsschluss hat sich die geplante Fertigstellung auf Herbst 2018 verschoben.) Dort wäre dann Platz für drei neue Professoren. Das Hasso-Plattner-Ventures-Gebäude wird teilweise freigezogen, wahrscheinlich sogar dauerhaft, sodass wir dort auch weitere Räumlichkeiten haben.

Der Prozess der Ausschreibung der Kandidaten, der Einladung und Sichtung muss zur Bereitstellung von Räumlichkeiten synchron laufen. Als erstes möchten wir mit dem Studiengang Digital Health starten. Um den anbieten und entwickeln zu können, brauchen wir Professoren in diesem Bereich, sodass wir gleich im April die entsprechenden Professoren für diesen Bereich suchen.

HPImgzn: Was hat es – abgesehen von weniger Bürokratie – noch für Vorteile oder auch Nachteile, dass das HPI eine eigene Fakultät wird?

Meinel: Von weniger Bürokratie kann so erst einmal nicht gesprochen werden. Am HPI haben wir mehr Bürokratie, weil wir diese Gremien einrichten müssen. Die müssen tagen, Protokolle müssen geführt werden. Auch muss ein neuer Mitarbeiter eingestellt werden, der sich um alle Belange bezüglich der Fakultät kümmert.

Der große Vorteil ist aber, dass die Abläufe stark vereinfacht werden, so zumindest unsere Hoffnung. Wir wünschen uns, dass wir in allen akademischen Fragen, also was die Berufung, Studiengangskonzeption oder die Promotionsverfahren betrifft, autonomer und schneller agieren können.

Nachteile gegenüber der jetzigen Anbindung sehe ich nicht, im Gegenteil. Es kommt zu einer Verbesserung des Status quo – auch wenn die bisherigen Begrenzungen bleiben, sodass wir beispielsweise nicht ganz frei sind, Studenten auszuwählen, weil das die Landesgesetze betrifft.

HPImgzn: Wie sieht der Zeitplan bis Anfang April aus?

Meinel: Ich hoffe sehr, dass bis Ende Dezember die Uni-Gremien zugestimmt haben. Dann ist der 1. April als Starttermin ins Auge gefasst – Herr Plattner möchte natürlich, dass der Aufbau so schnell wie möglich abläuft. Wir würden die Zeit am Anfang des Jahres nutzen, um alles Nötige einzurichten, damit die Fakultät auch arbeitsfähig ist. Das beinhaltet die Gremien, die Personenwahl für die Gremien und wahrscheinlich auch schon der Beginn mit den inhaltlichen Arbeiten, damit der Fakultätsrat dann am 1. April direkt mit der Arbeit beginnen kann.

HPImgzn: Gab es bisher irgendwelche Hürden oder Kritik an dem Plan?

Meinel: Im Vorfelde gab es viele Dinge, die zu prüfen waren. Bisher existiert kein Modell dieser Art, sondern es gibt nur eine gesetzliche Möglichkeit. Jetzt muss bei allen Regelungen, die die Fakultät betreffen, überlegt werden, ob das auch bei einer externen Einrichtung angewendet werden kann. Da sind viele Dinge zusammengetragen worden, es gab verschiedene Modelle, aber im Laufe der Zeit ist eine Einigung erzielt worden. Die Uni Potsdam, aber auch das HPI und die Stiftung sind mit dem Ergebnis zufrieden. Und wenn es sich so realisiert, wird es letztlich auch vom Ministerium abgesegnet.

HPImgzn: Ändert sich etwas im Alltag der Studenten?

Meinel: Ich glaube nicht, dass sich diesbezüglich viel verändert. Eine Fachschaft haben wir schon, die Mechanismen gibt es bereits. Es wird nur dahingehend formaler, dass mehr Gremien tagen werden, in denen es auch darum geht, vorgeschriebene studentische Vertreter mit einzubeziehen.

HPImgzn: Gibt es eine stärkere oder schwächere Verbindung mit der Uni? Inwieweit wird das HPI selbständiger und unabhängiger von der Uni?

Meinel: Die Beziehung zur Uni Potsdam an sich wird enger, da wir dann eine neue – die sechste – Fakultät der Uni sind. Aber zugleich wächst auch die Autonomie im Rahmen der akademischen Belange.

HPImgzn: Sie haben bereits den Digital-Health-Studiengang angesprochen – welche wird es noch geben?

Meinel: Geplant sind zwei Studiengänge mit Technologie-Schwerpunkt, Data Engineering und Security Engineering. Zwei weitere Studiengänge sollen einen domänenspezifischen Hintergrund bekommen: Medizin (Digital Health) und Energie (Smart Energy). Insofern sind vier neue Masterstudiengänge geplant, die sukzessiv eingeführt werden. Die domänenspezifischen, bei denen Digital Health erst einmal im Vordergrund steht, sollen als erstes angestrebt werden.
Da gilt es auch zu überlegen, was die Zugangsvoraussetzungen für die Masterstudiengänge sein werden. Sind die nur für Informatiker offen oder werden wir uns auch für Bachelor-Absolventen anderer Fächer öffnen, wie beispielsweise Medizin? Die berufenen Professoren müssen in die Planung einbezogen werden, es wird dann ja auch ein wenig ihr Baby sein. Aber auch wir als schon vorhandenes Kollegium müssen uns Gedanken machen, wie wir das ausgerichtet sehen wollen. Ich möchte den Studiengang aber auch sofort eröffnen, sobald wir die Professoren haben, sodass da keine Luft entsteht und wir wirklich mit der Erweiterung vorankommen.

HPImgzn: Warum sind das nur Masterstudiengänge und keine Bachelorstudiengänge?

Meinel: Zunächst einmal ist das ja schon ein ganz schöner Schritt vier neue Studiengänge zu etablieren. Das kostet sehr viel Diskussionskraft, Planungen und Ähnliches. Es besteht aber doch die Überzeugung, dass der Bachelor, den wir haben, für all diese entstehenden Studiengänge gute Absolventen liefern wird. Wir glauben nicht, dass es sinnvoll ist, im Bachelorstudium die Spezialisierung sehr weit voran zu treiben. Natürlich gibt es ein Vertiefungsfach, was einem ein bisschen Orientierung geben soll, was dann im Konkreten zu tun ist. Aber es ist nicht sinnvoll, diese vier neuen Studiengänge auch als Bachelorstudiengänge anzubieten – was nebenbei auch organisatorisch schwierig ist. Der Plan ist, dass der Bachelorstudiengang mehr Studierende bekommt, die Zahl haben wir dieses Jahr schon auf 100 erhöht. Aber es bleibt ein Bachelorangebot, und darauf werden dann die verschiedenen Masterangebote setzen.

HPImgzn: Bisher ist das HPI nicht für besonders große und umfangreiche Kenntnisse im Bereich der Medizin bekannt, warum fiel die Auswahl auf Medizin und Energie?

Meinel: Das war jetzt eine sehr verallgemeinerte Aussage. Wenn Sie mal gucken, was in der Forschung passiert, dann sind wenigstens drei Lehrstühle mit größeren Projekten in dem Bereich versehen. Das HPI war beispielsweise auch in dem großen BMBF-Projekt „Zukunftsregion Gesundheit“ Konsortialpartner. In der Forschung ist da also eine ganze Menge los.

Zudem ist dieses Thema ist ein sehr zentrales, wenn wir fragen, was mit Digitalisierung besser gemacht werden kann. Und da fließen hervorragend sowohl technische Dinge mit Fernbetreuung (Stichwort Telemedizin) als auch sehr anspruchsvolle Sicherheitsthemen und Big-Data-Themen zusammen. Die Hoffnung ist, dass mit den großen Datenmengen im Bereich Gesundheit sehr viel verbessert werden kann. Und da glauben wir, dass wir als HPI mit unserer Expertise im Bereich Big Data etwas einzubringen haben.

HPImgzn: Gibt es dann als Vorbereitung auf die Masterstudiengänge auch neue Bachelorveranstaltungen, die man belegen kann?

Meinel: Ich gehe davon aus, dass sich mit den neu berufenen Professoren auch neue Vertiefungsgebiete für den Bachelor ergeben. Ob da nun jeder Professor mit einem eigenen Vertiefungsangebot ankommt, sei mal dahingestellt. Aber mit Sicherheit wird es Ansatzpunkte geben, die das Bachelorangebot erweitern, allein schon um die Studenten auf die Thematik aufmerksam zu machen.

HPImgzn: Gibt es einen groben Zeitplan, wann die einzelnen Masterstudiengänge starten sollen?

Meinel: Die Vorstellung sieht aktuell so aus: Wenn wir jetzt die Ausschreibung machen, können wir Ende 2017/Anfang 2018 die ersten neuen Professoren berufen. Die müssen wir dann natürlich auch in die Konzeption des Studiengangs einbeziehen.

Im Medizin-Bereich brauchen wir vermutlich zwei Kollegen, damit das Angebot auch entsprechend breit gestaltet werden kann. Wenn also alles gut läuft, könnte der Studiengang 2018 starten. Wenn das schneller abläuft, umso besser. Die Konstruktion der Fakultät gibt das dann auch ein Stück weit in unsere Hand.

HPImgzn: Und die drei weiteren Studiengänge?

Meinel: Die beiden Technologie-zentrierten Studiengänge werden sich einfacher aufbauen lassen, da bleiben wir im uns bekannten Informatikbereich. Security-Veranstaltungen haben wir bereits, da müssen wir nur neue Professoren berufen, gleiches gilt bei Big Data. Da könnte es sogar sein, dass die gleichzeitig mit dem Digital-Health-Studiengang starten.

Auch das Energiethema wird nicht ganz einfach in dem Sinne, dass da das Wissen aus einer fremden Domäne herbeigeholt werden muss. Damit würden wir uns intensiver nach dem Gesundheitsstudiengang beschäftigen, wenn wir dazugelernt haben. Außerdem müssen wir natürlich auch ausrecheichende Gebäudekapazitäten bereitstellen – das geht nicht von jetzt auf gleich.

HPImgzn: Wie viele Studenten sind pro Studiengang geplant? Gibt es dann insgesamt mehr Masterstudenten als die jetzigen 60?

Meinel: Aktuell planen wir mit 40 Studenten für die neuen Studiengänge – ich denke, damit kann man ganz gut arbeiten. Zunächst einmal müssen wir aber sehen, wie sich der Bachelor entwickelt. Wir sind jetzt bei 100 Studenten und müssen ausprobieren, inwieweit die Räumlichkeiten ausreichen und die Seminarstrukturen passen. Es ist aber gut möglich, dass auf Dauer mehr Master- als Bachelorstudenten am HPI sind.

HPImgzn: Gibt es bestimmte Voraussetzungen zur Aufnahme in die Studiengänge? Sind die eher an HPI-ler oder Externe gerichtet?

Meinel: Die richten sich, wie jetzt auch schon, an alle. Die Absolventen vom HPI haben wir natürlich besonders gerne, weil wir wissen, dass sie gut ausgebildet sind. In der Vergangenheit haben wir aber natürlich auch schon Externe aufgenommen, das wird sich wahrscheinlich auch nochmal verstärken, weil wir im Medizin-Studiengang auch Kooperationen mit der Charité oder dem Berliner Institut für Gesundheitsforschung anstreben. Dann kommen natürlich von dort auch Interessenten ans HPI, die das Medizinwissen mitbringen, aber neu ins Thema Informatik einsteigen.

HPImgzn: Welche neuen Lehrstühle sind geplant? Gibt es dafür schon Namen?

Meinel: Aktuell wissen wir, dass wir in diesem Thema sehr breit ausschreiben wollen. Wir sehen dann, was es für welches Angebot gibt, welche Dozenten am besten hierher passen und welche Fachgebiete wir aufbauen. Wie die letztlich heißen, richtet sich auch nach den neuen Kollegen. Wir werden die Ausschreibung also nicht unter »Wir suchen jemanden für Krankenversicherungssysteme« veröffentlichen, sondern werden eine Stelle im Bereich Digital Health ausschreiben und deutlich machen, worum es uns vor allem geht. Und dann gucken wir uns an, wer sich bewirbt, und wählen aus.

How-To: Professuren ausschreiben

Für die Ausschreibung der Professuren gibt es ein spezielles Prozedere, deswegen möchten wir es hier einmal erklären. Als erstes veröffentlicht das HPI eine Stellenanzeige in einem speziellen Medium. Bewerber schicken dann ihre Unterlagen – neben dem Lebenslauf auch noch Publikationen, Projekte und einen kleinen Plan, was sie am HPI machen möchten.
Im Normalfall werden sechs der Bewerber in eine engere Auswahl kommen. Sie halten am HPI Probevorträge und es werden Gespräche in Bezug auf Lehrinhalte, Ausstattung und weitere Pläne geführt. Die Top 3 wird von externen Gutachtern (meist Professoren anderer Unis) begutachtet, auf dieser Basis wird eine finale Reihenfolge festgelegt.
Der Universitätspräsident lädt dann den erstplatzierten Bewerber ein und bietet ihm offiziell die Stelle an – damit erfolgt der sogenannte Ruf. Daraufhin werden weitere Gespräche geführt, beispielsweise welche Unterstützung nötig ist und welche Arbeitsbedingungen gewünscht werden. Der Bewerber kann dann aufgrund des vom HPI gemachten Angebots entscheiden, ob er die Stelle annimmt oder nicht. Lehnt er ab, geht das gleiche Prozedere nochmal mit dem Zweiten der Liste los.
Das Verfahren dauert insgesamt einige Monate, es gab aber auch einmal eine Stellenausschreibung am HPI, welche sich über vier Jahre hingezogen hat.

 

HPImgzn: Informatik gilt als Männerdomäne, das HPI unternimmt mit einigen Programmen wie zum Beispiel den Grace-Hopper-Stipendien einiges für die Frauenförderung. Dennoch gibt es am HPI noch keine Professorin. Das widerspricht sich ja etwas.

Meinel: Wir haben schon wenigstens zwei- oder dreimal in der Bewerberliste auf Professuren Frauen gehabt, sogar in führenden Positionen, die sich dann aber entschieden haben, nicht zu kommen. Aber uns ist natürlich schon daran gelegen, uns entsprechend zu verstärken. Vielleicht ist es in den domänenspezifischen Gebieten, also Medizin und Energie, sogar einfacher als in den rein technologiegetriebenen Gebieten.

HPImgzn: Wird es auch einen neuen Lehrstuhl mit starkem Fokus auf Entrepreneurship geben, sozusagen eine Erweiterung der E-School zu einem eigenen Lehrstuhl?

Meinel: Das wird es nicht als Erstes geben, weil das in Richtung Wirtschaftswissenschaften und Innovation geht, darüber muss man aber natürlich nachdenken. Auf die Dauer würde ich mir eine Erweiterung der E-School allerdings schon wünschen.

HPImgzn: Werden die neuen Angebote der Lehrstühle nur in die neuen Studiengänge aufgenommen oder bereichern sie auch das bestehende Angebot in ITSE?

Meinel: Natürlich brauchen wir spezifisch für diese neuen Lehrstühle neue Angebote, die wir noch nicht haben. Aber wir haben in der Datenanalyse oder bei Sicherheitsthemen, die ja da genauso rein gehören, natürlich Angebote der bereits bestehenden Lehrstühle – das sind gleichzeitig auch sinnvolle Angebote für die neuen Studiengänge. Und genauso rechne ich damit, dass die Angebote der neuen Lehrstühle natürlich auch die Vertiefungsgebiete im Bachelor erweitern werden.

HPImgzn: Konkrete Lehrveranstaltungen sind aber noch nicht absehbar?

Meinel: Hier greift das Prinzip von Freiheit in Forschung und Lehre, dass die Professoren in ihrem Gebiet ihre Lehrangebote eigenverantwortlich gestalten können. Wenn wir die neuen Professoren noch nicht kennen, kennen wir insofern auch deren Angebote noch nicht.

HPImgzn: Werden auch in naher oder ferner Zukunft die aktuell extern durchgeführten Veranstaltungen wie zum Beispiel Wirtschaftliche Grundlagen dann intern stattfinden?

Meinel: Unter Umständen ist das in Kombination mit der E-School eine Möglichkeit. Es wird aber immer – und das ist auch kein Schaden – Themen geben, wo man sich externen Sachverstand ranholt.

HPImgzn: Gibt es Mitbestimmungsmöglichkeiten für Studenten bzw. werden Studenten in den Prozess mit einbezogen?

Meinel: In einer Universität herrscht ja das Prinzip der akademischen Selbstverwaltung, das heißt, dass auch das HPI, wenn es eine Fakultät ist, diese Prozeduren zu etablieren hat. Insofern müssen im Fakultätsrat in den Kommissionen ebenfalls im vorgeschriebenen Verhältnis Studentenvertreter sitzen. Über diese Gremien können auch Studenten mitreden und mitentscheiden, das ist richtig formalisiert festgelegt.

HPImgzn: Wenn das HPI so viel stärker wächst, gibt es dann auch neue Unterbringungsmöglichkeiten für die Studenten? Die Wohnheimplätze nebenan sind ja jetzt schon viel zu knapp und in Potsdam gibt es allgemein eine große Wohnungsnot. Können Studenten die neuen Wissenschaftler-Wohnungen von Hasso Plattner, die er in der nördlichen Speicherstadt nahe des Hauptbahnhofs baut, mitbenutzen?

Meinel: Das ist kein HPI-spezifisches Thema, sondern ein universitätsweites. Wir haben zunächst einmal die Konzentration auf den Neubau von Institutsgebäuden, auch von Hörsälen und Seminarräumen gelegt. Das Wohnheim selbst wird ja auch nicht von uns, sondern vom Studentenwerk betrieben, zudem sehe ich dort auch gar keinen Platz für neue Häuser.

HPImgzn: Vielen Dank für das Interview.

Anmerkung der Redaktion: Das Interview haben wir am Nachmittag des 23. November 2016 geführt. Nur wenige Stunden später hat der akademische Senat den Plan zur Fakultätsgründung einstimmig abgesegnet.
Inzwischen wurde am 20. Januar auch der Vertrag zur Fakultätsgründung vom HPI und der Uni Potsdam unterschrieben.

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