Die Welt des Tanzens

von Martin Graf und Lilith Diringer
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Der Tanzklub vom HPI trifft sich jeden Freitag ab 17:00 Uhr im Hörsaalfoyer, um das Wochenende einzuläuten. In diesem Artikel erfährst du spannende Details zu den bei uns geübten Tänzen, sowie welche positiven Wirkungen das Tanzen an sich mit sich bringt. 

Warum du Tanzen lernen solltest

Tanzen ist nicht nur eine abwechslungsreiche Alternative zum Joggen oder sonstigem Ausgleich zum vielen Programmieren, Gamen und in-Vorlesungen-Sitzen, sondern hat darüber hinaus weitere gewinnbringende Wirkungen. 

Tanzen stärkt nicht nur Koordination, Rhythmusgefühl und Schnelligkeit, sondern unterstützt dadurch, dass man seine Fertigkeiten seinem Tanzpartner und der Gruppe unter Beweis stellen kann, auch das Selbstbewusstsein. Aber nicht nur das eigene Ego kann sich beim Tanzen ausleben, sondern es entsteht auch ein Gemeinschaftsgefühl. In unserer Gesellschaft gab es das Tanzen in der Gruppe lange bevor man Schreiben, Lesen und Rechnen konnte. Noch dazu mindert Tanzen das Demenzrisiko um 76%, wie eine große epidemiologische Studie zeigt und schneidet damit besser ab als Lesen oder Kreuzworträtsellösen.

Das Welttanzprogramm setzt sich aus zwei Hauptkategorien zusammen: Standardtänze und Lateinamerikanische Tänze. Auf Turnieren kann ein Pärchen in einem aber auch in beiden Kategorien antreten.

Standardtänze

Walzer

Der typische Dreiertakt regt den Körper von ganz alleine zum Wippen an. Nun müssen nur noch die Füße richtig gesetzt werden. Bereits 1806 ist diese Taktung vom deutschen Komponisten Carl Friedrich Ebers genutzt worden, entwickelte sich dann aber erst rund 60 Jahre später in den USA in eine Art Wiener Walzer. Der Wiener Walzer ist mit 60 Takten pro Minute der schnellste Bestandteil des Welttanzprogramms und leitet sich tatsächlich vom Wort „walzen“ (wegen der zahlreichen Drehungen) ab. 1920 entwickelte sich schließlich in England der Slow Waltz und wurde mit der Zeit zu immer langsamerer Musik getanzt. Freut euch auf viele Drehungen und mehrspurige Tanzflächen.

Foxtrott

Foxtrott heißt übersetzt Fuchsgang. Über die Herkunft des Namens gibt es mehrere Legenden. Laut einer davon lässt sich die Bezeichnung auf den Schauspieler Harry Fox zurückführen. Er vermischte die zwei Tänze One-Step und Castle Walk für eine Choreographie in seinem damals populären Varieté „Harry Fox & the Ziegfeld Follies“. Erst seit 1924 unterscheidet man zwischen der langsamen Variante, dem Slow Fox und der schnellen, dem Quickstep. Ins Welttanzprogramm hat es der Fuchsgang zwar geschafft, für den Aufstieg in die Turnierriege hat es bislang aber nicht gereicht.  

Discofox

Der Discofox entstand in den 70er Jahren des 20. Jahrhundert tatsächlich in Discotheken. Freestyletänzer fanden Gefallen am Paartanz und bauten Elemente aus Boogie-Woogie, Swing und Two-Step mit ein. Turniere gibt es auch im DiscoFox – 1992 kam es zur ersten Discofox-Weltmeisterschaft in Basel. Nach wie vor ist er aber nicht nur turnierboden-, sondern auch diskogeeignet. Denn während man bei den anderen Tänzen aufpassen muss, andere Paare nicht umzutanzen, ist der Discofox nahezu auf der Stelle tanzbar.

Slowfox

Der Slowfox gilt als technisch wie auch musikalisch sehr anspruchsvoll. Typisch englisch wird der Slowfox von fließenden Bewegungen dominiert. Für Fortgeschrittene: Die Dame muss auf dem Kopf eine Tasse Wasser balancieren ohne dass ein Tropfen verschüttet wird. Noch ein Spoiler für die Damen: freut euch auf Fersendrehungen.

Quickstep

Überquellende Lebensfreude soll dieser Tanz, eine Mischung aus Foxtrott und One-Step, darstellen. Er trägt daher auch den Spitznamen „Champagner unter den Tänzen“.

Tango

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert. entstand dieser Tanz aus einer Mischung kultureller Einflüsse von Einheimischen und Einwanderern aus Spanien, Italien und Osteuropa in den Armenvierteln am Stadtrand von Buenos Aires. Zunächst als verbreiteter Tanz in Bordellen trat er erst in Paris seinen Siegeszug auch in der Oberschicht an, bevor er in Argentinien gesellschaftsfähig wurde. Besonders auffällig im Tango: der Machismo. Der Mann nimmt noch eindeutiger die Führungsrolle ein, als bei anderen Stilen: bereits die Aufforderung zum Tanz erfolgt allein über Augenkontakt, dem die Dame zu folgen hat.

Der Tango hat auch auf den Körper ganz besondere Auswirkungen: Gunter Kreutz von der Universität Oldenburg als Tanzexperte führte eine Studie mit Tango-Paaren durch, in der festgestellt wurde, dass bei beiden Tanzpartnern verstärkt das Sexualhormon Testosteron ausgeschüttet wird. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass bei Tangotänzern durch die Musik während des Tanzens die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Speichel sinkt.

Und aufgepasst: es gibt neben dem Tango Argentino noch den Europäischen Tango. Man sollte sich mit einem neuen Tanzpartner also erst verständigen – oder auf die Musik hören.

Lateinamerikanische Tänze

Salsa

Der englische Kontratanz aus dem 17. Jahrhundert gilt als Vorgänger des Salsa, der europäische und afrokaribische Stilmittel verbindet. Damals gab es einen „Caller“. Seine Aufgabe bestand darin, den Tänzern die geforderte Figur zuzurufen. Die Frühformen wurden mit Trommeln begleitet. Hatte man keine, so stampfte und klatschte man mit – auch im HPI Tanzklub wissen wir uns so zu helfen, falls die Musikanlage einmal ausnahmsweise nicht tut, was sie sollte. Die Frühformen dienten auch als Werbetanz – ganz so wie das in der Tierwelt weit verbreitet ist, fanden sich so die Liebespärchen nach Tanzgeschick. Und der Name? Tatsächlich kommt er von „Soße“ – der heutige Tanz entstand nämlich nach dem Zweiten Weltkrieg im New York aus dem kulturellen Einfluss vieler Emigranten aus Kuba, Puerto-Rico, Venezuela und Kolumbien.

Samba

Samba stammt aus Brasilien, weist jedoch afrikanische Wurzeln auf. Sklaven aus dem westlichen Sudan, Kongo und Angola hatten Bewegungen und Schrittfolgen mitgebracht. Viel Leid prägte die Mischung aus Tanz, Musik und Gedichten. Für die Begleitung kam nicht nur das Händeklatschen, sondern auch das Zusammenschlagen von Besteck zum Einsatz. Freut euch zudem auf die typischen deutlichen, schnellen Hüftbewegungen und die als Bouncen bezeichnete Vor- und Zurückbewegung des Oberkörpers.

Paso Doble

Bei diesem spanischen Tanz handelt es sich um die tänzerische Interpretation des Stierkampfes. Der Herr stellt wie erwartet den Torero dar. Und die Frau? Ganz nach Interpretation fungiert sie als rotes Tuch, Flamencotänzerin oder Schatten des Stierkampfhelden. Der Paso Doble gehört zu den progressiven Tänzen, sprich: das Pärchen bewegt sich während des Tanzes durch den Saal. Der Name lässt tatsächlich nichts sehr aufregendes Vermuten. Übersetzt heißt er Doppelschritt.

Cha-cha-chá 

Der Cha-cha-chá stammt ursprünglich aus Kuba. Seine Entstehung ist nur mündlich überliefert und seine ersten Rhythmen stammen wohl von einem Violinisten. Wie er heute in Tanzschulen gelehrt und auf Turnieren getanzt wird, weicht stark von den ersten Varianten ab. Der Name rührt vom scharrenden Geräusch der Tänzer beim Wechselschritt her.

Rumba

Rumba hat denselben Vorläufer wie der Tango: die afrokubanische Habanera. Während sie sich in Argentinien zu einer Vorform des Tangos entwickelte, entstand in Kuba die Rumba. Der Name steht im Spanischen der Karibik auch allgemein für Fest. In der Zeit der Nationalsozialisten war die Rumba als „entartete Kunst“ verboten. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte der „Rumbakrieg“. Voneinander abweichende Rumbaversionen aus England und Frankreich strebten beide nach internationaler Verbreitung. Letztendlich wurden Beide zugelassen. Inzwischen hat sich aber die kubanische Form gegenüber der Square-Rumba aus Nordamerika weitgehend durchgesetzt. Trotz des Namens weicht auch erstere stark von der kubanischen Urform ab. Thematisch geht es um einen intensiven Flirt bei dem Mann und Frau zwischendurch immer wieder fahnenflüchtig werden, sodass die Spannung im Publikum steigt.


All diese Eigenarten der unterschiedlichen Tänze könnt ihr bei uns im Tanzklub erleben. Schaut einfach vorbei.

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